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Der Vater Napoleons: Carlo Buonaparte (1746-1785)

Vater von Napoleon
Carlo Buonaparte

Carlo Buonaparte war der Vater des französischen Kaisers Napoleon I.

Geboren wurde Carlo Buonaparte am 29. März 1746 im korsischen Ajaccio.

Er entstammte dem korsischen Kleinadel.

Geburt

Carlo Buonaparte wurde als Carlo Maria Buonaparte geboren. Er trug später auch den Namen Charles Marie de Bonaparte.

Sein Vater war der korsische Politiker Giuseppe Maria Buonaparte (1713-1763), der ab 1749 als Repräsentant von Ajaccio im Korsischen Rat von Corte fungierte.

Carlos Mutter Maria Saveria Paravisini (1715-1750) entstammte dem Adel von Genua. Neben Carlo brachte sie noch drei weitere Kinder namens Maria Gertrude, Sebastiano und Marianna Buonaparte zur Welt.

Als Carlo vier Jahre alt war, verstarb seine Mutter. Maria hatte noch einen Bruder, den Archidiakon Luciano Buonaparte, der sich um Carlo kümmerte und für dessen Ausbildung in Corte sorgte.

Herkunft

Der Ursprung der Buonapartes lag in der italienischen Toskana.

Ein Ritter der Familie namens Ugo fand bereits in einer Urkunde des Jahres 1122 Erwähnung und war Angehöriger des Rates von Florenz. Der Name Buonaparte wurde vom ihm angenommen und bedeutete soviel wie „gute Partei“.

Damit waren die Männer des Kaisers gemeint, die ritterliche Werte wie Mut vertraten und sich für die Einheit Italiens begeisterten.

Als die ‚gute Partei‘ jedoch ihre Macht verlor, verließ Ugo Florenz und ging ins ligurische Sarzana.

Ein Nachfahre Ugos wanderte im 16. Jahrhundert nach Korsika aus, dessen Kolonisierung durch die italienische Stadt Genua erfolgte.

Seinen Nachkommen gelang es, sich auf Korsika einen guten Namen zu erwerben. Dabei standen sie zumeist als Juristen im Dienst der Regierung.

Carlo und Letizia

Am 2. Juni 1764 heiratete Carlo Buonaparte Letizia Ramolino, deren Familie dem lombardischen Grafen von Collalto entstammte. Die Familie Ramolino war bereits seit 250 Jahren auf Korsika ansässig.

Von seinem mittlerweile verstorbenen Vater brachte Carlo das Haus der Familie in der Via Malerba sowie einige Weiden, Äcker und Weinberge mit in die Ehegemeinschaft.

Die Ehe wurde aus Liebe zwischen Carlo und Letizia geschlossen, was seinerzeit keine Selbstverständlichkeit war.

Nachdem die ersten beiden Kinder des Paares früh gestorben waren, kam 1768 Joseph, der damals noch den italienischen Namen Giuseppe trug, zur Welt.

Nur ein Jahr später, am 15. August 1769 erblickte der zweite Sohn mit Namen Napoleone das Licht der Welt. Seinen Namen hatte er von einem Onkel erhalten, der im Kampf gefallen war.

Die weiteren überlebenden Kinder von Carlo und Letizia Buonaparte erhielten die Namen Lucien (Lucciano), Elisa (Maria-Anna), Louis (Luigi), Pauline (Maria-Paola), Caroline (Maria-Annunziata) und Jérôme (Girolamo).

Unabhängigkeitskampf auf Korsika

Als Carlo und Letizia in den Stand der Ehe traten, herrschten auf Korsika Bestrebungen nach der Unabhängigkeit der Insel von Genua.

Anführer der Korsen war ein Fähnrich der korsischen Garde namens Pasquale Paoli (1725-1807).

Paoli und seine Männer hatten die Genuesen aus dem Landesinneren vertrieben, sodass sich diese nur noch in einigen Hafenstädten wie Ajaccio hielten.

Durch Paoli erhielt Korsika eine demokratische Verfassung.

Zu den Anhängern Paolis zählte auch Carlo Buonaparte. Auf das Anraten Paolis hin nahm er 1762 ein Jurastudium an der Universität Pisa auf, das er 1764 für seine Hochzeit mit Letizia unterbrach.

Nur wenig später arbeitete Carlo an der korsischen Verfassung mit.

Mit nur 20 Jahren stieg er zum Sekretär Paolis auf und fungierte in Rom als Sonderbotschafter.

Durch seine geschickten diplomatischen Interventionen brachte Carlo den Vatikan davon ab, Vergeltungsmaßnahmen gegen die Korsen zu ergreifen.

Kampf gegen die Franzosen

Als die Genuesen begriffen, dass sie den Kampf um Korsika nicht gewinnen konnten, verkauften sie die Mittelmeerinsel kurzerhand.

Neuer Eigentümer wurde am 15. Mai 1768 der französische König Ludwig XV. (1710-1774).

Als die Franzosen die Insel in Besitz nehmen wollten, leisteten die Korsen jedoch Widerstand.

Auch Carlo Buonaparte schloss sich zusammen mit seiner Frau, die mit Napoleon schwanger war, sowie seinem kleinen Sohn Joseph dem Kampf an. Als Capitano übernahm er das Kommando über eine Kompanie Partisanen.

Zunächst verlief der Widerstand gegen die Franzosen erfolgreich, und Carlo gelang es, bei einem Gefecht 500 feindliche Kämpfer gefangenzunehmen. Dadurch erzwang er einen Waffenstillstand während des Winters.

Im darauf folgenden Frühjahr landeten die Franzosen jedoch erneut mit 22.000 Soldaten unter dem Kommando des Comte de Vaux.

Dieser konnte Paoli am 7. Mai 1769 bei Ponte Novo entscheidend schlagen.

Carlo kämpfte auf dem Monte Retondo in einer Höhle noch zwei Wochen weiter.

Als de Vaux ihn zu Verhandlungen einlud, sagte er zu. Dadurch erfuhr er, dass Pasquale Paoli mittlerweile kapituliert hatte.

Graf de Vaux sagte Carlo Amnestie und den Schutz der korsischen Identität zu. Auch Lebensweise und Wohlstand sollten unter dem Frieden nicht leiden.

Carlo dachte schließlich an seine Familie und unterwarf sich den Franzosen, während Paoli nach England ins Exil ging.

Carlo Buonapartes Aufstieg zum französischen Adligen

Carlo kehrte mit seiner Familie nach Ajaccio zurück, wo er wieder seine Güter übernahm.

In Pisa brachte er sein Jurastudium zu Ende.

Den Eid eines französischen Advokaten leistete er am 11. Dezember 1769 ab, sodass er nun als Anwalt arbeiten konnte, wobei er sich aber auch um seine Güter kümmerte.

1771 brachte es der Korse, der nun den französischen Namen Bonaparte trug, zum Richter des Bezirks Ajaccio.

Im September des gleichen Jahres folgte die Anerkennung zum französischen Adligen.

1772 wurde ihm ein Sitz im Rat der 12 Edlen zugesprochen, der als Standesparlament von Korsika diente.

1778 durfte er als Vertreter seines Standes sogar König Ludwig XVI. (1754-1793) einen Besuch im Schloss von Versailles abstatten.

Leben auf Korsika

Obwohl die Familie Bonaparte nicht arm war, musste sie in beschränkten Verhältnissen leben, was auch auf die zunehmende Anzahl an Kindern zurückzuführen war.

Dank der Steuererleichterungen, die mit dem Adelstitel verbunden waren, konnte Carlo sich Bedienstete, Kindermädchen und sogar einen Koch leisten.

Die meisten Verdienste gingen auf die Landwirtschaft zurück.

Mit seinen Kindern und seinem zweitältesten Sohn Napoleon verstand Carlo sich prächtig. So erhielten die Kinder viel Liebe und Geborgenheit.

Napoleon erwies sich als temperamentvolles und neugieriges Kind, während sein Bruder Joseph eher still und zurückhaltend war.

Aufgrund seiner Finanzschwierigkeiten entschied sich Carlo Bonaparte dafür, dass seine Kinder nicht Juristen werden sollten, sondern stattdessen lieber zum Militär oder zur Kirche gehen sollten.

Dabei erhielten die Kinder finanzschwacher Adliger in diesem Fall eine kostenfreie Erziehung.

So wurde Napoleon von seinen Eltern im Dezember 1778 nach Frankreich geschickt, wo er ein Jahr später die Kadettenschule von Brienne besuchte.

Letzte Jahre und Tod

In seinen letzten Jahren machte sich Carlo Bonaparte dafür stark, Korsika mit Frankreich zu verbinden. Dabei stimmte er gegen die Rückkehr Paolis, der inzwischen mit England verbunden war.

Im Jahr 1784 litt Carlo zunehmend unter Erbrechen und heftigen Magenschmerzen.

Er reiste nach Paris, wo ihn der Leibarzt der Königin untersuchte. Es wurden mehrere Kuren wie zum Beispiel eine Erbsendiät verordnet, die jedoch keinerlei Besserung erbrachten.

Schließlich verschlimmerte sich Carlos Gesundheitszustand derart, dass ihm von den Ärzten geraten wurde, die medizinische Fakultät von Montpellier aufzusuchen.

Doch auch in Montpellier ergab sich keine Hoffnung. Dort verstarb Carlo am 24. Februar 1785 im Alter von nur 38 Jahren an Magenkrebs.

In Montpellier wurde der Leichnam zunächst bestattet. Auf Veranlassung seines Sohnes Louis erhielt Carlo gegen den Widerstand Napoleons 1803 auf Louis‘ Besitz bei Saint-Leu eine neue Grabstätte. Im Jahr 1951 fanden seine Gebeine in seiner Heimatstadt Ajaccio ihre letzte Ruhe.

Auswirkung auf Napoleon

Für Napoleon war der Tod seines geliebten Vaters sehr schmerzlich.

Vor allem, dass er in einer fremden Stadt verstorben war, bekümmerte ihn.

Für den jungen Korsen bedeutete der Tod seines Vaters zudem einen Wendepunkt in seinem Leben; er betrachtete sich nun als Oberhaupt der Familie und war bereit, mehr Verantwortung für sie zu übernehmen.