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Kaiserkrönung Napoleons (2.12.1804)

Napoleon Kaiserkrönung
Napoleon krönt sich selbst zum Kaiser; Foto: Morphart Creation / Shutterstock.com

Am 2. Dezember 1804 krönte sich Napoleon Bonaparte zum Kaiser der Franzosen.

Auf diese Weise sicherte er seine Herrschaft.

Vorgeschichte

Am 9. November 1799 hatte General Napoleon Bonaparte die Gunst der Stunde genutzt und das bis dahin regierende französische Direktorium gestürzt. Im Rahmen einer Konsulatsregierung stieg Bonaparte zum Ersten Konsul auf.

Ab 1800 leitete der Korse mehrere Reformen in Frankreich ein. So schuf er ein einheitliches Bildungswesen, baute die Verwaltung um und förderte die Wirtschaft, indem er Staatsaufträge vergab. Außerdem schloss Napoleon ein Konkordat mit der katholischen Kirche.

Darüber hinaus erhielt im Jahr 1804 der Code Napoléon Gültigkeit, der Bürgerrechte wie Rechtsgleichheit, Privateigentum, eine zivile Ehe, das Regeln von Scheidungen sowie die persönliche Freiheit der Bürger umfasste.

Wie kam es zum Entstehen eines französischen Kaisertums?

In den ersten Jahren seiner Herrschaft hatte Napoleon einiges erreicht. Dennoch gab es auch zahlreiche Feinde, zu denen vor allem die Royalisten gehörten. Im August 1803 kam die Geheimpolizei einer royalistischen Verschwörung auf die Spur. Sie soll die Beseitigung Napoleons sowie dessen Ersatz durch einen Bourbonen oder General beinhaltet haben.

Die Polizei war jedoch nicht in der Lage, eine Komplizenschaft zwischen den Verschwörern und den Bourbonen nachzuweisen. Napoleon verlangte jedoch danach. Aus diesem Grund wiesen die Ermittler Louis Antoine Henri de Bourbon-Condé, dem Herzog von Enghien, eine Mitschuld zu. Dies lag wohl auch daran, dass es sich bei ihm um den einzigen greifbaren Bourbonen in der Nähe handelte.

Am 15. März 1804 wurde der Herzog von Enghien von französischen Dragonerschwadronen, die den Rhein überquerten, aus dem badischen Ettenheim verschleppt und in Paris vor ein Militärgericht gestellt. Dort gab der Herzog zu, in britischen Diensten den Kampf gegen Napoleon aufnehmen zu wollen. Mit der geplanten Verschwörung gegen den Ersten Konsul hatte er jedoch nichts zu tun.

Durch das Tribunal erfolgte daraufhin das Todesurteil, das am 21. März 1804 durch ein Erschießungskommando vollstreckt wurde. Napoleon hoffte, durch den Tod des Herzogs die anderen Bourbonen von Angriffen gegen ihn abzubringen.

Obwohl in Europa große Empörung über die Hinrichtung des Herzogs von Enghien herrschte, ergaben sich für Napoleon daraus keine Nachteile. Die breite Mehrheit der französischen Bevölkerung stimmte ihm bei dieser Entscheidung zu.

In Sorge waren die französischen Senatoren, denn wenn ein Sturz Napoleons gelänge, wäre es auch um ihre gut bezahlten Ämter geschehen. Weiterhin betrachteten die Senatsmitglieder Napoleons Herrschaft durchaus als positiv, weil durch sie in Frankreich endlich die lang ersehnte Ruhe und Ordnung eingekehrt war.

Das Kaisertum wird gebildet

Der Senat verfügte über die Macht, die Verfassung zu ändern. Um auch die eigenen lukrativen Posten dauerhaft zu sichern, schien die Schaffung eines erblichen Kaisertums in Frankreich der beste Weg zu sein. Wäre Napoleon eines Tages nicht mehr da, könnte ein neuer Kaiser aus seiner Dynastie zu seinem Nachfolger aufsteigen. Weitere Umsturzpläne wurden dadurch wesentlich schwieriger.

Senator Joseph Fouché, der frühere Polizeiminister, schlug Napoleon im Auftrag des Senats eine Änderung der Verfassung vor, um ihn als Kaiser zu installieren. Bei Napoleon rannte Fouché damit offene Türen ein, denn genau auf diese Entwicklung hatte er gehofft.

Weniger erfreut über diese Vorgänge waren jedoch Österreich und Preußen, die besorgt auf ein „gallisches Kaiserreich“ reagierten.

Das Empire

Der Senat betraute Napoleon Bonaparte mit der Regierung Frankreichs und erklärte dessen Kaiserwürde für erblich. Der Senat verabschiedete den Antrag am 30. März 1804 gegen nur fünf Gegenstimmen. Die endgültige Fassung arbeitete der Staatsrat aus. Die Entscheidung fiel am 18. Mai 1804 mit 74 Ja-Stimmen und 5 Nein-Stimmen sowie einer Enthaltung.

Der Titel ‚Kaiser‘ (‚Empereur‘) erfolgte auf Betreiben Napoleons. So kam der Titel ‚König‘ aufgrund der französischen Vorgeschichte nicht in Betracht. Stattdessen sah der Korse Ähnlichkeiten zwischen sich und dem römischen Caesar Octavian. Größere Veränderungen des Regierungswesens entstanden durch das neu geschaffene Kaisertum nicht, da Napoleon schon zuvor de facto wie ein Diktator regiert hatte.

Napoleon war jedoch die Zustimmung des Volkes wichtig. Daher kam es zu einer Volksabstimmung, bei der er mehr als 4,5 Millionen Ja-Stimmen verbuchen konnte. Nur ein paar tausend Bürger stimmten gegen die neue Monarchie.

Napoleons Familie

Auswirkungen hatte das Empire auch auf Napoleons Familie, die mit zahlreichen Titeln und Ämtern bedacht wurde. So wurde aus Napoleons Mutter Letizia die ‚Madame Mère‘, während Joseph und Louis zu kaiserlichen Prinzen aufstiegen.

Auch Napoleons Getreue wie Armand de Caulaincourt oder Charles-François Lebrun erhielten salbungsvolle Titel wie Großstallmeister oder Erzkämmerer. Ferner stiegen 16 Generäle der Revolutionsarmee zu Marschällen auf. Eine noch höhere militärische Ehrung war in Frankreich nicht möglich.

Um eine eigene Dynastie zu schaffen, orientierte sich Napoleon am Römischen Kaiserreich sowie am Kaiserreich der Franken. Aber auch die Bourbonen und das Hofleben unter König Ludwig XIV. dienten als Vorbild für die bevorstehende Krönung.

Anwesenheit des Papstes

Napoleon wünschte bei seiner Krönung die Anwesenheit des Papstes. So war auch einst Kaiser Karl der Große vom Papst zum Kaiser gekrönt worden, was später ebenfalls auf die römisch-deutschen Kaiser zutraf. Nachdrücklich erhielt Papst Pius VII. (1742-1823) eine Einladung nach Paris. Als dem Papst dort die Rückgabe verlorener Gebiete zugesichert wurde, stimmte er seiner Teilnahme an der Kaiserkrönung zu.

Eine Bedingung des Papstes war jedoch die kirchliche Trauung von Napoleon und seiner Gattin Joséphine. Sie fand kurz vor der Krönungszeremonie in der Privatkapelle des Tuilerien-Palastes durch Kardinal Joseph Fesch statt, der der Halbbruder von Letizia Bonaparte war.

Die Zeremonie beginnt

Am Sonntag, dem 2. Dezember 1804, fand die Krönung Napoleons zum Kaiser der Franzosen statt. Die Vorbereitungen hatten mehrere Monate in Anspruch genommen. Vollzogen wurde die Krönungszeremonie in der altehrwürdigen Kathedrale Notre-Dame.

Sogar die Straßen der französischen Hauptstadt wurden gereinigt und wieder instand gebracht. Geprägt wurde Paris von feierlicher Stimmung. Es gab Glockengeläut und Salutschüsse. Sämtliche Theater konnten gegen freien Eintritt besucht werden. Überall klang Musik durch die Straßen, auf denen auch Schnee lag.

Napoleon und Joséphine legten edelste Gewänder an. Seine Uniform war mit Edelsteinschmuck dekoriert. Schon am frühen Morgen fuhren die Würdenträger der verschiedenen staatlichen Institutionen vor.

Gegen 9 Uhr traf auch der Papst mit seinem Gefolge und einer Ehrengarde vor der Kathedrale ein. Anschließend begab sich vom Tuilerien-Palast aus die kaiserliche Prozession durch die Stadt in Richtung Notre-Dame. Die goldene Kutsche des Kaiserpaares wurde von acht goldbraunen Pferden gezogen. Vor allem Joséphine erhielt von der Bevölkerung viel Beifall.

Napoleon krönt sich selbst

Um 10 Uhr zog der Papst in die Kathedrale ein und erteilte sämtlichen Anwesenden seinen Segen. Vor dem Altar hielt er ein Gebet ab. Gegen 11 Uhr trafen auch Napoleon und Joséphine vor Notre-Dame ein und zogen sich im Palast des Erzbischofs für die Zeremonie um.

Musikalisch begleitet von zwei Orchestern und einem Chor von 400 Sängern zog das kaiserliche Paar um 11:45 Uhr in Notre-Dame ein. Auf einem Altar fanden die kaiserlichen Insignien wie Krone, Schwert und Zepter Platz. Der Papst hielt zunächst eine Messe ab und salbte das Paar mit heiligem Öl. Auch Krone, Zepter und Schwert erhielten den kirchlichen Segen.

Im Anschluss an die Segnung wurden Napoleon die Insignien übergeben. Danach betrat er die Stufen zum Altar und nahm die Lorbeerkrone aus Gold an sich, um sie sich selbst aufzusetzen und sich damit zu krönen.

Anschließend erfolgte auch die Krönung Joséphines durch ihren Gemahl, der ihr die Krone behutsam auf den Kopf setzte. Das Kaiserpaar nahm dann auf den vorgesehenen Thronen Platz und verfolgte die Fortsetzung der Messe. Festgehalten wurde dieser historische Moment in einem Gemälde von Jacques-Louis David.

Durch zahlreiche Drucke erlangte es große Bekanntheit, wies jedoch einen Fehler auf, weil David auf Anweisung Napoleons auch dessen Mutter Letizia hineinmalen musste, obwohl sie bei der Krönung nicht anwesend war und stattdessen in Italien zur Kur weilte. Sie war gekränkt, weil sie keine persönliche Mitteilung über das bedeutende Ereignis erhalten hatte. Aus diesem Grund kehrte sie erst wieder zum Jahresende nach Frankreich zurück.

Später leistete Napoleon seinen Eid auf die Unversehrtheit des Staatsgebietes der Republik und darauf, dass er die politische und bürgerliche Freiheit sowie die Glaubensfreiheit schützen wolle. Damit war die Inthronisierung abgeschlossen und Napoleon Kaiser der Franzosen. In der Stadt feuerten die Kanonen etliche Salutschüsse ab, um diesen Moment entsprechend zu würdigen.

Um 15 Uhr endete die Krönungszeremonie und das kaiserliche Paar sowie sein Gefolge konnten Notre-Dame wieder verlassen. Mit der Kutsche wurde eine ausführliche Runde durch die Pariser Straßen gemacht, die dicht bevölkert waren.

Napoleon selbst war der Auffassung, dass sich durch die Kaiserkrönung für ihn nichts geändert habe. So sei er noch derselbe Republikaner wie eh und je, und Menschen wie er würden sich niemals ändern. Doch auch wenn Napoleon über sich selbst vielleicht recht behielt, so hatte die Krönung zwar nicht ihn, aber doch Frankreich verändert, denn Napoleon herrschte nun nicht nur zum Ruhme des Landes, sondern auch zu seinem eigenen.

Auswirkungen der Kaiserkrönung

Mit der Kaiserkrönung erreichte Napoleon I. tatsächlich sein Hauptziel: mehr Sicherheit. So fanden auf ihn tatsächlich keinerlei Attentate mehr statt. Obwohl Frankreich jetzt einen Kaiser hatte, blieb das Land nach wie vor Republik. Die Verfassung aus dem Revolutionsjahr VIII behielt noch immer weitgehend Gültigkeit. Aber die Französische Revolution war nun endgültig vorüber.

Schon bald holte Napoleon wieder der unruhige Alltag ein, und es standen die nächsten kriegerischen Auseinandersetzungen bevor.